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Querschnittlähmung (Paraplegie/Tetraplegie)

Blasenlähmung bei Rückenmarkverletzung

Das im Inneren der Wirbelsäule gelegene Rückenmark verbindet als eine Art Kabelstrang die Steuerzentren des Gehirns mit den Armen, Beinen und inneren Organen. Im Rückenmark verlaufen einige hunderttausend Nervenbahnen, die Informationen einerseits vom Gehirn in den Körper und andererseits von dort zurück in das Gehirn transportieren. Wird das Rückenmark an irgendeiner Stelle beschädigt, so werden auch Nervenbahnen in Mitleidenschaft gezogen und der Informationsfluss in beide Richtungen gestört. In diesem Falle spricht man von einer Querschnittlähmung, diese kann komplett (alle Nervenbahnen im Rückenmark sind durchtrennt) oder inkomplett (ein Teil der Nervenbahnen ist weiter durchgängig) sein.

Eine Querschnittlähmung kann angeboren oder erworben sein. Die angeborene Querschnittlähmung ist meist auf eine Fehlbildung der Wirbelsäule und der Rückenmarkshäute zurückzuführen, eine sogenannte Spina bifida. Bei dieser Erkrankung verschließt sich der Wirbelkanal im Lenden- und Kreuzbeinbereich unvollständig, und Nervenbahnen werden geschädigt. Bei der erworbenen Querschnittlähmung unterscheidet man traumatische (nach Unfall oder Operationen der Wirbelsäule) von nicht-traumatischen Ursachen (Schlaganfall oder Entzündung des Rückenmarks, Bandscheibenvorfall).

Die Anzahl der querschnittgelähmten Patienten in der Schweiz wird auf 3000-4000 geschätzt, jährlich kommen 100-150 neue Fälle hinzu. Die Mehrzahl der Betroffenen sind von einer Blasen- und Schliessmuskellähmung und damit von einer Harninkontinenz betroffen. Moderne Behandlungsmethoden ermöglichen es in vielen Fällen, die Inkontinenz wirksam zu kontrollieren, Komplikationen und Spätschäden zu vermeiden und damit die Lebensqualität der Betroffenen zur stärken.

Bei jeder Querschnittlähmung besteht mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Blasenfunktionsstörung, die sich durch mehrere Symptome bemerkbar macht: Gestörtes oder fehlendes Gefühl für die Blasenfüllung, fehlende oder unvollständige Blasenentleerung, Harninkontinenz. Als Akutphase ist der Zeitraum anzusehen, bis der Blasenlähmungstyp erkennbar ist und ein mittelfristiges Therapiekonzept erstellt werden kann. In dieser Phase des „Spinalen Schock" ist die Harnblase in der Lage Urin zu speichern, jedoch nicht zu entleeren. Ohne sofortige urologische Maßnahmen entstehen Überlaufinkontinenz mit Überdehnung der Harnblase und Infektionen der Harnwege. Es droht die Nierenfunktionsstörung. In der Frühphase der Querschnittlähmung steht die Vermeidung von Frühkomplikationen wie Blasenüberdehnung, Harnwegsinfektion, Steinbildung und Harnröhrenschäden als Voraussetzung für ein erfolgreiche Blasenrehabilitation im Mittelpunkt der neurourologischen Therapie.

Die Rehabilitation der Blase bei Querschnittlähmung dient der Klassifikation der Blasenlähmung, dem Erfassen von Risikofaktoren und dem Erstellen eines individuellen Speicher- und Entleerungskonzept. Hierzu dient die neurourologische Untersuchung mit videourodynamischer Messung, meist durchgeführt am Ende der Akutphase. Die Auswahl der verschiedenen Therapiemöglichkeiten erfolgt unter Einbeziehung der Möglichkeiten und Interessen der oder des Betroffenen und der Familie und Angehörigen. Die neurogene Blasenfunktionsstörung ist kein statisches Geschehen, sie hat eine Eigendynamik, die zu Veränderungen am unteren und oberen Harntrakt führen kann. Aus diesem Grunde müssen Querschnittgelähmte lebenslang von einem spezialisierten Neurourologen betreut werden. Das Ziel der neurourologischen Langzeitbetreuung ist die risiko- und patientenorientierte, lebenslange, regelmäßige Betreuung zur Erhaltung bzw. Wiedergewinnung von Lebensqualität und Lebenserwartung. Aktivitäten des täglichen Lebens sollen von den Folgen der Blasenlähmung so wenig wie möglich beeinflusst werden. Eine ausgeglichene Blasenfunktion und die Erhaltung oder Wiederherstellung der Kontinenz tragen entscheidend bei zur Verbesserung der Lebenserwartung und Verbesserung der Lebensqualität Querschnittgelähmter.


 


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