Häufiges Wasserlassen
Ständiger Harndrang: Ursachen finden und Symptome lindern
Häufiges Wasserlassen oder ständiger Harndrang stellt keine eigenständige Erkrankung dar. Vielmehr kann der häufige Gang zur Toilette ein Symptom für ganz unterschiedliche Erkrankungen sein. Häufiges Wasserlassen wird je nach Ausprägung in drei Formen eingeteilt:
- Polyurie: Statt der üblichen 1 bis 2 Liter werden bis zu 3 Liter und mehr Urin innerhalb von 24 Stunden ausgeschieden. Sehr oft besteht auch ein starker Harndrang.
- Pollakisurie: Sehr häufiges Wasserlassen (mehr als 10 Mal in 24 Stunden) mit nur geringen Harnmengen. Die Gesamtmenge des ausgeschiedenen Urins kann normal oder erhöht sein.
- Nykturie: Häufiger nächtlicher Harndrang mit mehrmaliger Schlafunterbrechung. Es muss regelmässig mehr als zwei mal in der Nacht Wasser gelassen werden.
Vielen Betroffenen ist es unangenehm, mit ihrem Arzt über Probleme beim Wasserlassen zu sprechen. Dabei kann das häufige Wasserlassen auf harmlose oder schwerwiegende Grunderkrankungen hindeuten. Lassen Sie die Ursache des häufigen Harndrangs deshalb unbedingt von einem Spezialisten abklären.
Unsere Fachärztinnen und Fachärzte informieren Sie gern
Kontaktieren Sie uns gern für ein Beratungsgespräch. Die Spezialistinnen und Spezialisten in unserem KontinenzZentrum Hirslanden in Zürich informieren Sie über Ihre individuellen Abklärungs- und Behandlungsmöglichkeiten bei häufigem Wasserlassen. Sie erreichen unser Zentrum telefonisch unter +41 44 387 29 10 im Zeitraum von Montag bis Freitag zwischen 6 und 17 Uhr. Nutzen Sie auch gern unsere Online Terminvereinbarung.
Häufigkeit und Menge beim Wasserlassen: Was ist normal?
Die Harnblase dient als Speicher für den von den Nieren produzierten Harn. Ihr Fassungsvermögen liegt bei Männern zwischen 400 und 600 ml und bei Frauen zwischen 400 und 500 ml.
Ein gesunder Mensch entleert die Blase im Abstand von mehreren Stunden zwischen vier und sechs Mal am Tag. Die Frequenz ist abhängig vom Trinkverhalten, von der Ernährung und vielen anderen Faktoren. Wer viel Flüssigkeit oder wasserreiche Nahrung zu sich nimmt, verspürt entsprechend häufigen Harndrang. Auch koffeinhaltige und alkoholische Getränke können den Harndrang spürbar intensivieren. Bis zu zehn Mal Wasserlassen innerhalb von 24 Stunden kann dabei noch in einem normalen Bereich liegen.
Wann sollten Betroffene eine Ärztin/einen Arzt konsultieren?
Häufiges Wasserlassen kann sich schleichend entwickeln oder von akuten Warnzeichen begleitet sein, die rasch abgeklärt werden sollten. Suchen Sie ärztlichen Rat, wenn eines oder mehrere der folgenden Anzeichen auf Sie zutreffen:
- Sie müssen über einen längeren Zeitraum mehr als sechsmal am Tag auf die Toilette.
- Über einen längeren Zeitraum liegt die Gesamtmenge an Urin über 2 Liter pro Tag.
- Sie müssen regelmässig mehr als zweimal pro Nacht aufstehen, um Wasser zu lassen.
- Sie verspüren ungewohnt starken Durst oder trinken auffallend mehr als sonst.
- Der häufige Harndrang beeinträchtigt Schlaf, Beruf oder Alltag spürbar.
Darüber hinaus gibt es akute Warnzeichen, bei denen Sie umgehend ärztlichen Rat suchen sollten:
- Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen
- Blut im Urin oder trüber, übel riechender Urin
- Fieber, Schüttelfrost sowie Schmerzen im Rücken oder in der Flanke (Verdacht auf Infektionen der Nieren)
- Plötzlich auftretender, sehr starker Harndrang oder Unfähigkeit, die Blase zu entleeren (Harnverhalt)
- Schwäche oder Taubheitsgefühl in den Beinen – kann auf eine Erkrankung des Rückenmarks hinweisen, bitte suchen Sie sofort ein Spital auf
- Plötzliches Auftreten der Beschwerden oder Beschwerden bereits in den ersten Lebensjahren
Häufiges Wasserlassen mit viel Urin (Polyurie)
Symptome
Von Polyurie sprechen Mediziner bei einer krankhaft erhöhten Produktion und Ausscheidung von Harn, die den Normwert von 2 Litern pro Tag überschreitet. Oft kommen zu diesem Symptom auch ein grösseres Durstgefühl und ein ausgeprägter Harndrang hinzu – teilweise als imperativer Harndrang, der sich nicht zurückhalten lässt. Der Urin ist typischerweise hell bis fast farblos. Betroffene Patienten empfinden das häufige Wasserlassen im Alltag als sehr störend und beeinträchtigend.
Ursachen von Polyurie
Polyurie bei Erwachsenen und Kindern kann organische, hormonelle, medikamentöse oder auch psychische Ursachen haben. Dazu zählen unter anderem:
- Reizblase / überaktive Blase
- Ein unzureichend behandelter Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
- Diabetes insipidus (Hormonelle Ursache für erhöhte, unkonzentrierte Harnbildung)
- Niereninsuffizienz
- Hyperkalzämie, erhöhter Kalziumspiegel
- Hypokaliämie, Kaliummangel
- Bestimmte Medikamente, insbesondere Diuretika (sogenannte „Wassertabletten“), SGLT-2-Hemmer (bei Diabetes), Lithium sowie manche Antidepressiva und Antipsychotika
- Psychische Belastung und Stress, z. B. Prüfungsangst, Trennung, wichtige Termine
- Starker Koffein- oder Alkoholkonsum
- Aufnahme von zu viel Flüssigkeit (Polydipsie)
Häufiges Wasserlassen mit wenig Urin (Pollakisurie)
Symptome & Ursachen von Pollakisurie
Häufiges Wasserlassen entwickelt sich meist schleichend. Liegen zwischen zwei Blasenentleerungen weniger als zwei Stunden, leiden Beruf und Privatleben unter dem ständigen Harndrang. Viele Betroffene arrangieren sich unbewusst: Sie schränken ihre Trinkmenge ein und scannen ihre Umgebung auf das Vorhandensein und die Erreichbarkeit einer Toilette.
Muss die Blase stündlich oder öfter entleert werden, ist ein normaler Tagesablauf für die Betroffenen kaum noch möglich. Statt unnötig unter der Blasenschwäche zu leiden, sollten Betroffene rasch einen Arzt aufsuchen. Oft können die Ursachen und Symptome der Pollakisurie behoben werden und die Lebensqualität verbessert sich spürbar.
Vor allem Frauen zwischen 30 und 60 Jahren leiden unter häufigem Wasserlassen mit nur geringen Mengen Urin. Ausser einem Mangel an Östrogen werden hierbei auch chronische Infekte der Beckenorgane sowie psychosomatische Ursachen vermutet.
Ältere Frauen sind besonders oft betroffen: Eine Schwächung des Beckenbodengewebes nach Entbindungen und die verminderte Östrogen-Produktion nach der Menopause begünstigen einen häufigeren Harndrang und den Beginn einer Blasenstörung.
Übrigens: In der Schwangerschaft ist häufiger Harndrang eine normale Begleiterscheinung. Das heranwachsende Baby und die vergrösserte Gebärmutter drücken auf Blase, Harnwege und andere Beckenorgane. Dadurch erleben viele Schwangere häufigen Harndrang und Entleerungsschwierigkeiten.
Bei Männern ist die häufigste Ursache für vermehrten Harndrang die gutartige Prostatavergrösserung (benigne Prostatahyperplasie, BPH). Mit zunehmendem Alter wächst die Prostata und drückt auf Harnröhre und Blase, was zu häufigerem Harndrang, einem schwachen Harnstrahl und unvollständiger Blasenentleerung führen kann.
Bei Kindern kann häufiges Wasserlassen ebenfalls auf eine Blasenentzündung hindeuten. Möglich ist auch eine sogenannte benigne idiopathische Pollakisurie. Diese wird oft durch akuten psychischen Stress ausgelöst und führt zu häufigem Urinieren mit kleinen Mengen Urin.
Häufiges Wasserlassen am Tage mit wenig Urin kann – ähnlich wie bei der Polyurie – auf eine überaktive Blase (Reizblase) hinweisen. Während häufiges Wasserlassen ohne Schmerzen typisch für eine Reizblase oder Dranginkontinenz ist, deuten begleitende Schmerzen eher auf eine Blasenentzündung, andere Harnwegsinfektionen oder Nieren- und Blasensteine hin.
Zudem kann häufiger Harndrang mit nur wenig ausgeschiedenem Urin im Zusammenhang mit einer Blasenentleerungsstörung auftreten. Bei dieser Störung verbleibt nach dem Toilettengang eine grössere Menge Restharn in der Harnblase. Dadurch meldet die Blase schon nach kurzer Zeit wieder dem Gehirn, dass ihre Kapazitätsgrenze erreicht ist – ein gesteigerter Drang zu urinieren ist die Folge.
Häufiges nächtliches Wasserlassen (Nykturie)
Ein nächtliches Wasserlassen sollte die Ausnahme sein, zum Beispiel bei übermässiger Flüssigkeitsaufnahme am Abend. Müssen Betroffene regelmässig mehr als zwei mal pro Nacht zur Toilette, sprechen Mediziner von einer klinisch signifikanten Nykturie. Die regelmässige, mehrfache Schlafunterbrechung verursacht oftmals weitere Symptome wie Kopfschmerzen, chronische Müdigkeit und Konzentrationsprobleme, depressive Verstimmungen bis hin zur sozialen Isolation.
Betroffen sind vor allem ältere Menschen ab 55 Jahren. Deswegen halten viele den nächtlichen Harndrang für ein belastendes, aber unabwendbares Altersleiden. Dabei ist nächtliches Wasserlassen auch unter jüngeren Menschen verbreitet. In den meisten Fällen liegt den Beschwerden eine andere Erkrankung zugrunde, die gezielt behandelt werden kann. Dadurch lässt sich das häufige nächtliche Wasserlassen meist lindern oder sogar ganz beheben.
Ursachen für häufiges nächtliches Wasserlassen können unter anderem sein:
- Herzinsuffizienz / eingeschränkte Herzleistung
- Bluthochdruck
- Diabetes mellitus, Diabetes insipidus
- Nebenschilddrüsenüberfunktion
- Nierenerkrankungen mit erhöhter Urinausscheidung (Polyurie)
- Prostatahyperplasie (Gutartige Prostatavergrößerung) bei Männern
- Hormonmangel, v.a. Östrogenmangel oder sinkender Östrogenspiegel nach der Menopause bei Frauen
- Medikamente: Diuretika, SGLT-2-Hemmer, Lithium, manche Antidepressiva/Antipsychotika
- Starker Alkoholkonsum
Informieren Sie sich jetzt zur Abklärung bei häufigem Harndrang
Kontaktieren Sie uns, wenn Sie eine ausführliche Beratung wünschen. Wir informieren Sie gerne über Ihre individuellen Abklärungs- und Behandlungsmöglichkeiten bei ständigem Harndrang und häufigem nächtlichen Wasserlassen. Sie erreichen unser Zentrum (KontinenzZentrum Hirslanden) in Zürich unter Tel. +41 44 387 29 10 im Zeitraum von Montag bis Freitag zwischen 6 und 17 Uhr. Nutzen Sie auch gern unsere Online Terminvereinbarung!
Diagnose und Therapie bei häufigem Wasserlassen
Abklärung der Beschwerden durch ein Patientengespräch und Untersuchungen
Um den Ursachen des häufigen Harndrangs auf den Grund zu gehen, erfolgt zunächst eine ausführliche Anamnese um mögliche Ursachen für die Problematik zu finden. Typischerweise wird die Ärztin oder der Arzt folgende Fragen stellen:
- Tritt der häufige Harndrang tagsüber oder nachts auf?
- Können Sie beim Wasserlassen viel oder wenig Urin ausscheiden?
- Haben Sie oft starken Durst?
- Haben Sie Schmerzen beim Wasserlassen?
- Nehmen Sie Arzneimittel ein, beispielsweise ein Diuretikum gegen Herzschwäche oder Bluthochdruck ein?
- Wie viel trinken Sie für gewöhnlich tagsüber und was?
- Trinken Sie viel Kaffee oder Tee? Oder trinken Sie viel Alkohol?
Nach dem ersten Gespräch werden meist die Blut- und Urinwerten untersucht, oftmals ergänzt durch einen Ultraschall des Harntraktes. Basierend auf den vorliegenden Beschwerden folgen verschiedene körperliche Untersuchungen, zum Beispiel eine Restharnbestimmung oder eine Harnröhrenweitenuntersuchung mit Abstrich. Ergänzend werden gegebenenfalls eine Urodynamik mit Uroflowmetrie, eine Röntgenuntersuchung oder eine Urethrozystoskopie (Harnröhren- und Blasenspiegelung) vorgenommen.
Für die Diagnose kann es zudem hilfreich sein, dass Patienten ein Miktationstagebuch (Blasentagebuch) führen. Darin protokollieren sie über 3 Tage die Miktationszeiten, die jeweils ausgeschiedene Urinmenge sowie eingenommene Getränke.
Behandlungsmethoden bei häufigem Harndrang
Die Behandlung von ständigem oder häufigem Harndrang richtet sich immer nach der Ursache. Weil dem häufigen Wasserlassen verschiedene Erkrankungen zugrunde liegen können, zielt eine Therapie vor allem auf die Behandlung der ursächlichen Erkrankung ab, beispielsweise ein Diabetes, eine Blasenentzündung oder eine Prostatavergrösserung. Sind Medikamente für den vermehrten Harndrang verantwortlich, kann der Arzt ein Ersatz-Präparat in Erwägung ziehen oder die Diuretika-Dosis anpassen. Ziel der Behandlung der ursächlichen Erkrankung ist es, das Allgemeinbefinden des Patienten zu verbessern und den häufigen Harndrang zu lindern.
Zur symptomatischen Behandlung können Medikamente unterstützend eingesetzt werden. Bei Männern haben sich sog. Alphablocker zur Entspannung der Prostatamuskulatur bewährt. Bei Frauen kann ein östrogenhaltiges Lokalpräparat zum Einsatz kommen.
Was Sie selbst tun können: Beckenboden- und Blasentraining
Bei häufigem Wasserlassen ohne klar fassbare Organursache oder bei einer überaktiven Blase helfen zwei bewährte, nicht-medikamentöse Trainingsformen. Diese können Sie selbst nach Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt anwenden – am besten kombiniert und unter physiotherapeutischer Anleitung:
- Beckenbodentraining: Gezieltes Anspannen und Entspannen der tiefen Beckenbodenmuskulatur kräftigt die Strukturen, die die Blase und Harnröhre stützen. Wird das Beckenbodentraining regelmässig über mehrere Wochen angewendet, können Drang und ungewollter Urinverlust bei Frauen und Männern spürbar reduziert werden.
- Blasentraining: Sie verlängern die Abstände zwischen den Toilettengängen bewusst in kleinen Schritten von wenigen Minuten. Über Wochen lernt die Blase wieder, grössere Mengen Urin zu speichern, und der Harndrang nimmt ab. Idealerweise führen Sie ein Blasentagebuch, um Fortschritte sichtbar zu machen und motiviert zu bleiben.
Keinesfalls sollten Betroffene wegen des häufigen Harndrangs ihre Flüssigkeitszufuhr einschränken. Hierdurch kann dem Körper zu viel Flüssigkeit entzogen werden. Schränken Sie stattdessen den Konsum harntreibender Getränke wie Kaffee, Tee, Bier oder Sekt ein und vermeiden Sie Lebensmittel wie Schokolade, Zitrusfrüchte, Tomaten, künstliche Süßstoffe oder scharfe Speisen.
Weiterführende moderne Therapieoptionen
Reichen Training oder eine Medikation nicht aus – etwa bei einer ausgeprägten überaktiven Blase oder Dranginkontinenz – stehen heute mehrere etablierte Verfahren zur Verfügung:
- Krampflösende Medikamente, gezielt in die Blasenmuskulatur injiziert: In einem ambulanten Eingriff wird ein die Muskulatur entspannendes Medikament in mehreren kleinen Dosen in den Blasenmuskel (Detrusor) gespritzt. Die unwillkürlichen Kontraktionen werden gedämpft, der Harndrang nimmt ab. Die Wirkung hält in der Regel mehrere Monate an und kann bei Bedarf wiederholt werden.
- Sakrale und tibiale Neuromodulation: Feine elektrische Impulse regulieren die Steuerung von Blase und Beckenboden neu, entweder über eine implantierte Sonde im Kreuzbeinbereich (sakral) oder über eine Nadelelektrode am Schienbeinnerv (tibial). Dieser operative Eingriff ist eine gut erprobte Option, wenn Medikamente nicht ausreichen oder nicht vertragen werden.
- Verhaltens- und Biofeedback-Therapie: Angeleitete Übungen in Kombination mit visuellen oder akustischen Rückmeldungen (Biofeedback) helfen, Beckenboden und Blasenfunktion bewusst wahrzunehmen und gezielt zu steuern. Besonders wirksam ist diese nicht-invasive Behandlung in Kombination mit Beckenboden- und Blasentraining.
Abhängig von der zugrundeliegenden Erkrankung, die das häufige Wasserlassen mit oder ohne Schmerzen auslöst, können weitere operative Verfahren in Betracht kommen. Die Urologin bzw. der Urologe berät Sie ausführlich, welche Behandlungsmethoden in Ihrem individuellen Fall geeignet sind.
Leiden Sie unter häufigem Wasserlassen? Unsere Spezialisten können helfen!
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