Inkontinenz - das war gestern!

Erfahrene Experten betreuen Blasenstörungen effektiv und ganz individuell

Inkontinenz - das war gestern!

Erfahrene Experten betreuen Blasenstörungen effektiv und ganz individuell

Urodynamische Untersuchungen

So wird die Funktion von Harnblase und Schliessmuskel untersucht

Eine neurourologische Abklärung der Harnblasen- und Schliessmuskelfunktion erfolgt mit einer urodynamischen Funktionsuntersuchung (Urodynamik). Kombiniert man diese Untersuchung mit Ultraschall, Röntgen oder einer Spiegelung, so kann der Untersucher parallel auch die Form und das Aussehen der einzelnen Organe des Harntraktes beurteilen.

Urodynamische Untersuchungen helfen, die Ursachen einer Inkontinenz oder einer Fehlfunktion der Harnblase zu erkennen. So können Störungen der Harnspeicher- und der Harnentleerungsfunktion der Blase sicher voneinander abgegrenzt und Ursachen einer Harninkontinenz identifiziert werden. Jede Messung wird von uns sorgfältig vorbereitet und nach einem einheitlichen Standard durchgeführt.

Ein Arzt unseres Teams und eine speziell ausgebildete Assistenzperson führen die Messungen durch, die tägliche Routine eines eingespielten Teams ermöglicht einen hohen Qualitätsstandard der Untersuchung. Seit 2010 haben die spezialisierten Ärztinnen und Ärzte des KontinenzZentrum Hirslanden (Zürich) bereits über 10.000 urodynamische Untersuchungen durchgeführt.

Urodynamische Messung

Wann ist eine urodynamische Untersuchung sinnvoll?

Eine urodynamische Untersuchung liefert objektive Messwerte zur Funktion von Blase und Schliessmuskel, die sich aus Anamnese und Tast-Untersuchung allein nicht gewinnen lassen. Sie wird daher auch als grosse Blasenfunktionsmessung bezeichnet. Zu den typischen Indikationen für die Urodynamik-Untersuchung zählen:

  • ungewollter Urinverlust (Harninkontinenz)
  • häufiges Wasserlassen oder plötzlicher, starker Harndrang
  • eine unvollständige Blasenentleerung mit Restharn
  • die Abklärung vor einer geplanten Operation an Blase, Beckenboden oder Prostata
  • der Verdacht auf eine neurogene Blasenstörung bei Erkrankungen des Nervensystems

So lässt sich zuverlässig abgrenzen, ob eine Störung der Harnspeicherung oder der Harnentleerung vorliegt – die Grundlage für eine gezielte und erfolgversprechende Behandlung.

Ablauf der urodynamischen Untersuchung – Schritt für Schritt

Die Untersuchung ist gut planbar und folgt bei uns einem einheitlichen Standard. Patientinnen und Patienten müssen sich nicht gesondert darauf vorbereiten. Zu Beginn des Untersuchungstermins sollte die Blase lediglich angenehm gefüllt sein. Vorab führen wir meist eine Harnuntersuchung durch, um einen Harnwegsinfekt auszuschliessen – ein unbemerkter Infekt könnte die Messwerte verfälschen. Ein zuvor geführtes Blasentagebuch liefert wertvolle Zusatzinformationen.

Der Ablauf der grossen Blasenfunktionsmessung ist wie folgt:

  1. Harnstrahlmessung (Uroflowmetrie): Zu Beginn lassen Sie ungestört Wasser in ein spezielles Messgerät. Erfasst werden die Harnmenge und die Stärke des Harnstrahls.
  2. Blasendruckmessung (Zystometrie): Über einen sehr dünnen Katheter in der Harnröhre und einen kleinen Messfühler im Enddarm werden die Druckverhältnisse gemessen, während die Blase langsam gefüllt wird. So zeigen sich der erste Harndrang, die Blasenkapazität und ungewollte Kontraktionen des Blasenmuskels. Verwendet wird dazu körperwarme Kochsalzlösung, nachdem die Blase über den Katheter zuvor entleert wurde. Der Messfühler im Enddarm zeichnet gleichzeitig den Druck aus dem Bauchraum auf, sodass sich der eigentliche Druck des Blasenmuskels sauber berechnen lässt. Sie melden uns dabei, wann Sie die Blase zum ersten Mal spüren und wann der Harndrang so stark wird, dass Sie die Blase entleeren wollen.

Prinzip der Urodynamik

  1. Druck-Fluss-Studie: Beim anschliessenden Wasserlassen mit liegenden Messkathetern beurteilen wir das Zusammenspiel von Blasen- und Schliessmuskel – entscheidend, um eine Entleerungsstörung oder eine Abflussbehinderung zu erkennen.
  2. Beckenboden-EMG: Kleine Klebeelektroden erfassen die Aktivität von Schliessmuskel und Beckenboden.
  3. Restharnbestimmung: Per Ultraschall des Harntraktes prüfen wir, ob nach dem Wasserlassen Urin in der Blase zurückbleibt.

In bestimmten Fällen führen wir die Messung als Videourodynamik durch. Dabei wird die Druckmessung mit einer Röntgendarstellung kombiniert, sodass sich Blase und Schliessmuskel zusätzlich bildlich beurteilen lassen.

Dauer und Durchführung

Die gesamte urodynamische Untersuchung (Vorbereitung, Durchführung der Blasendruckmessung, Beurteilung) erfolgt ambulant und dauert zirka 1,5 bis 2 Stunden. Im Anschluss besprechen unsere Experten die Ergebnisse mit Ihnen und leiten daraus die nächsten Schritte zur Behandlung der Blasenfunktionsstörung ab. Planen Sie also am besten zwei Stunden für die urodynamische Untersuchung und die anschliessende Besprechung ein.


Urodynamische Untersuchung bei Frau und Mann

Das Messprinzip ist bei Frauen und Männern grundsätzlich gleich. Die Unterschiede ergeben sich vor allem aus der Anatomie und aus den häufigeren spezifischen Fragestellungen, die im jeweiligen Fall abgeklärt werden.

Bei der Frau

Dank der kürzeren Harnröhre ist das Einlegen des Messkatheters meist besonders unkompliziert. Im Vordergrund stehen häufig:

  • eine Belastungsinkontinenz, etwa nach Schwangerschaften, Geburten oder in den Wechseljahren
  • eine Dranginkontinenz oder überaktive Blase mit häufigem, kaum unterdrückbarem Harndrang
  • eine Senkung von Blase, Gebärmutter oder Scheide (Beckenorgansenkung)
  • eine Mischinkontinenz mit Belastungs- und Dranganteilen
  • wiederkehrende Harnwegsinfekte oder eine unvollständige Blasenentleerung
  • unklare Blasenbeschwerden vor oder nach einer gynäkologischen bzw. Inkontinenz-Operation

Beim Mann

Hier klärt die Untersuchung besonders häufig ab, ob der Harnabfluss behindert ist. Im Vordergrund stehen oft:

  • eine Abflussbehinderung durch eine gutartig vergrösserte Prostata
  • eine Harninkontinenz nach einer Prostata-Operation, etwa nach einer radikalen Prostatektomie
  • eine überaktive Blase mit starkem, häufigem Harndrang
  • eine Schwäche des Blasenmuskels (Blasenunteraktivität) mit Restharnbildung
  • eine Verengung der Harnröhre (Harnröhrenstriktur)
  • unklare Entleerungsstörungen bei nachlassendem Harnstrahl

Unabhängig vom Geschlecht dient die urodynamische Untersuchung ausserdem der Abklärung neuro-urologischer Störungen – also Blasenfunktionsstörungen infolge einer Erkrankung oder Verletzung des Nervensystems. Dazu zählen zum Beispiel: Multiple Sklerose (MS), Morbus Parkinson, ein Schlaganfall, Tetraplegie/Paraplegie oder Diabetes mellitus.


Was erwartet Betroffene – ist die Untersuchung unangenehm?

Die Entleerung der Blase ist normalerweise etwas sehr Privates, daher legen wir grössten Wert auf einen respektvollen und einfühlsamen Umgang mit den Patientinnen und Patienten sowie eine ruhige, entspannte und geschützte Atmosphäre während der Untersuchung.

Die urodynamische Messung findet ohne Narkose statt, Sie sind die ganze Zeit über wach und ansprechbar. Das Einlegen der dünnen Katheter kann kurz unangenehm sein, ist in aller Regel jedoch nicht schmerzhaft.

Gerade Frauen beschreiben die Messung im Nachhinein oft als deutlich weniger unangenehm als zuvor befürchtet. Am meisten hilft, sich bewusst zu entspannen – je lockerer der Beckenboden, desto leichter gleitet der dünne Katheter durch die Harnröhre und desto leichter lassen sich die Sonden anbringen. Dass Sie während der Füllung aktiv mitwirken und uns zurückmelden, wann Sie die Blase spüren und wann der Harndrang stärker wird, gibt vielen Patientinnen und Patienten zusätzlich ein Gefühl von Kontrolle.

In den Stunden nach der Untersuchung kann das Wasserlassen leicht brennen – wir empfehlen, dann viel zu trinken. Unsere Fachärztinnen und Fachärzte beraten Sie vor der Untersuchung ausführlich und einfühlsam zum Ablauf und beantworten gern Ihre Fragen.

Besonders wichtig für die Abklärung einer Blasenfunktionsstörung oder einer Harninkontinenz sind die Erfahrung des Untersuchers, die Mithilfe und das Vertrauen der Betroffenen, die sorgfältige und fachlich korrekte Durchführung der Untersuchungen und die kritische und angemessene Interpretation der Resultate unter Einbeziehung der individuellen Faktoren der Betroffenen. Wird jeder dieser Punkte beachtet, kann praktisch in allen Fällen die Ursache der Störung identifiziert und eine erfolgversprechende Behandlung eingeleitet werden.

Informieren Sie sich über urodynamische Untersuchungen zur Abklärung einer möglichen Inkontinenz

Sie sind von Inkontinenz betroffen oder vermuten eine beginnende Funktionsstörung der Harnblase? Informieren Sie sich jetzt über urodynamische Untersuchungen und weitere Abklärungs- und Behandlungsmöglichkeiten.

Sie erreichen unser KontinenzZentrum in Hirslanden, Zürich telefonisch, oder per E-Mail unter kontinenzzentrum.hirslanden@hirslanden.ch. Nutzen Sie auch gerne unsere Online-Terminvereinbarung!