Restharn: Erschwerte & unvollständige Blasenentleerung behandeln
Bei jedem Toilettengang entleert sich die Harnblase im Normalfall vollständig. Dafür sorgt das Zusammenspiel der Blasenmuskulatur, also Blasenmuskel und Schliessmuskeln. Bleibt nach dem Toilettengang noch Urin in der Harnblase zurück, sprechen Mediziner von einer unvollständigen Blasenentleerung bzw. Restharn. Die Entstehung von sogenannten Blasenentleerungsstörungen wie dieser kann vielfältige Gründe haben. Von einer unvollständigen Blasenentleerung können sowohl Frauen als auch Männer und Kinder betroffen sein. Meist entwickelt sich die Störung schleichend. Betroffene sollten bei entsprechenden Symptomen wie erschwertem Wasserlassen, häufigem Harndrang und Schmerzen einen Urologen aufsuchen. Die Spezialisten in unserem Zentrum für Urologie in Zürich, dem KontinenzZentrum Hirslanden, verfügen über umfassende Möglichkeiten zur Diagnose und Behandlung der Erkrankung und beraten Sie gern zu individuellen Symptomen, Ursachen und Therapie-Optionen bei unvollständiger Blasenentleerung.
Informieren Sie sich über Ihre individuellen Abklärungs- und Behandlungsmöglichkeiten
Kontaktieren Sie gern unsere Spezialisten für ein persönliches Beratungsgespräch. Wir informieren Sie über Ihre individuellen Abklärungs- und Behandlungsmöglichkeiten bei unvollständiger Blasenentleerung und Restharn. Sie erreichen unser Zentrum (KontinenzZentrum Hirslanden) in Zürich telefonisch unter Tel. +41 44 387 29 10. Unsere Klinik ist von Montag bis Freitag zwischen 8 und 17 Uhr geöffnet. Nutzen Sie auch unsere Online Terminvereinbarung!
Symptome: Wie macht sich Resturin in der Blase bemerkbar?
- Häufiges Wasserlassen: Zu Beginn der Erkrankung steht häufiges Wasserlassen am Tage und in der Nacht im Vordergrund.
- Schmerzen bei zunehmender Blasenfüllung: Von Restharn Betroffene schildern einen mit der Blasenfüllung zunehmenden Schmerz, der sie zwingt, den Urin der Blase in kurzen Intervallen zu entleeren. Der Schmerz klingt einige Zeit nach der Entleerung ab. Aber Restharn kann auch schmerzfrei sein.
- Gefühl der unvollständigen Blasenentleerung: Viele Betroffene begleitet das Gefühl, die Blase nicht vollständig entleert zu haben, meist direkt nach dem Toilettengang. Das führt dazu, dass sie nach kurzer Zeit erneut die Toilette aufsuchen müssen.
- Erschwertes Wasserlassen: Auch das Empfinden, die Blase nicht so einfach entleeren zu können, kennen einige Betroffene. Das erschwerte Wasserlassen begünstigt die Restharnbildung.
- Häufiger auftretende Harnwegsinfektionen: Durch den Restharn wird die Blase nur unzureichend durchspült. Die Folge: Krankheitskeime setzen sich leichter an der Blasenwand fest. Einige Betroffene leiden dadurch häufiger unter Infektionen im Harntrakt.
Wie viel Restharn ist normal?
Im Internet findet man immer wieder Angaben dazu, wie viel Restharn normal ist. Mal sind es 50 ml, mal sind es bis zu 100 ml, die als Grenzwert angegeben werden, ab dem man einen Arzt konsultieren sollte. Eine Menge von 100 ml gilt in der Regel als pathologisch. Fakt ist aber: Eine völlig gesunde Harnblase entleert sich beim Wasserlassen vollständig. Kommt es zur Restharnbildung – unabhängig davon, wie viele Milliliter Harn in der Blase verbleiben –, sollten Betroffene in jedem Fall die Ursache von einem Spezialisten abklären lassen. Achten Sie auf typische Symptome: Ein Restharngefühl nach dem Toilettengang, häufiger Harndrang, teilweise erschwertes Wasserlassen sowie Schmerzen im Blasenbereich. Bei der Untersuchung kann kann der Urologe abklären, welche Gründe für die Bildung von Restharn vorliegen und welche Therapiemöglichkeiten in Frage kommen.
Mögliche Folgen: Warum ist Resturin in der Blase problematisch?
Durch den in der Blase verbleibenden Urin können sich Bakterien und Keime leichter dort einnisten und vermehren. Das Risiko von Infektionen steigt. Der Resturin begünstigt ausserdem die Ausbildung von Blasenentzündungen sowie die Bildung von Harnsteinen.
Verbleibt ein gewisser Restharn nach dem Wasserlassen, ist die Blase schneller wieder voll. Dieser banale Zusammenhang kann ein Grund für häufiges Wasserlassen sein. Je mehr Restharn in der Blase verbleibt, desto weiter dehnt sie sich aus. Dies ist schmerzhaft für die Betroffenen. Da gleichzeitig der Druck in der Harnblase steigt, kann es in manchen Fällen zu einer unfreiwilligen Entleerung der Harnblase kommen: Zur sogenannten Überlauf-Inkontinenz, eine Form der Urininkontinenz.
Hält die Überdehnung über längere Zeit an, versucht der Blasenmuskel, den erhöhten Druck durch eine Verdickung der Blasenwand auszugleichen. Auf Dauer verliert er dabei jedoch an Kraft und kann sich nicht mehr ausreichend zusammenziehen, um die Blase vollständig zu entleeren. Eine Blasenwandverdickung aufgrund von Restharn kann leicht chronifizieren. Es entsteht ein Teufelskreis, in dem die Restharnmenge immer weiter ansteigt.
Zudem kann sich der Urin zurück in Richtung der Nieren stauen, wenn die unvollständige Blasenentleerung über längere Zeit unbehandelt bleibt. Das Nierenbecken kann sich dadurch erweitern – Mediziner sprechen von einer Harnstauungsniere – und das empfindliche Nierengewebe schädigen. Zusätzlich kann sich eine Infektion über die Harnleiter bis in die Nieren ausbreiten und dort eine chronische Nierenschädigung verursachen – im schlimmsten Fall bis hin zum Nierenversagen.
Neben diesen Langzeitfolgen durch Restharn in der Blase kann auch eine akute Notfallsituation auftreten: Ein sogenannter akuter Harnverhalt. In diesem Extremfall ist eine Blasenentleerung überhaupt nicht mehr möglich. Die stark überdehnte Blase verursacht dabei heftige Schmerzen. Ein akuter Harnverhalt ist immer ein medizinischer Notfall. Betroffene sollten umgehend einen Arzt aufsuchen, um eine Schädigung der Nieren durch Rückstau des Urins zu verhindern.
Betroffene sollten das Auftreten erster Symptome einer unvollständigen Blasenentleerung unbedingt ernst nehmen und alsbald einen Urologen konsultieren. Dieser untersucht unter anderem die Ursachen für die Bildung von Restharn und entwickelt basierend auf der Diagnose passende Behandlungskonzepte.
Stellen Sie typische Symptome einer unvollständigen Blasenentleerung bei sich fest?
Unsere Experten im KontinenzZentrum Hirslanden in Zürich bieten individuelle Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten. Holen Sie sich jetzt professionelle Hilfe und erfahren Sie mehr.
Welche Ursachen können zur Bildung von Restharn führen?
Das Auftreten von Restharn kann verschiedene Ursachen haben. Man unterscheidet mechanische Ursachen – beispielsweise eine Schwäche des Blasenmuskels (umgangssprachlich als Blasenschwäche bezeichnet) oder eine Abflussbehinderung – und neurogene Ursachen wie eine Fehlfunktion der nervlichen Steuerung. Diese Faktoren können die Blasenentleerung einschränken und zu einer unvollständigen Entleerung der Blase führen.
Neurogene Ursachen für die Blasenentleerungsstörung
Die Blasenentleerung wird über ein fein abgestimmtes Zusammenspiel von Nerven gesteuert: Die Blase meldet dem Gehirn, wann sie voll ist. Wenn die Blase entleert werden soll, gibt das Gehirn über das Rückenmark das Signal zurück, die Blasenmuskulatur zusammenzuziehen und die Schliessmuskeln zu öffnen. Sind die Nervenverbindungen zur Harnblase zum Beispiel aufgrund einer neurogenen Erkrankung geschädigt, kann die Blasenmuskulatur den zur Entleerung notwendigen Druck nicht aufbringen. Die Folge: Die Blase entleert sich unvollständig, nach dem Wasserlassen verbleibt Harn in der Blase.
Solche Nervenschädigungen treten bei zahlreichen Erkrankungen und Verletzungen auf. Ein typisches Beispiel ist der Diabetes mellitus: Ein über Jahre erhöhter Blutzucker kann die Nerven schädigen, die die Blase steuern. Dadurch werden die Blasenwahrnehmung und Muskelkontraktion beeinträchtigt. Auch weitere neurogene Blasenentleerungsstörung können für eine unvollständige Blasenentleerung verantwortlich sein. Dazu zählen beispielsweise Multiple Sklerose, Schlaganfälle, Bandscheibenvorfälle der Lendenwirbelsäule, Querschnittlähmungen (Paraplegie/Tetraplegie) sowie andere Schädigungen des zentralen oder peripheren Nervensystems.
Mechanische Ursachen für die unvollständige oder erschwerte Blasenentleerung
Mechanische Ursachen sind anatomische oder strukturelle Veränderungen, die den Harnabfluss behindern oder die Blasenmuskulatur in ihrer Funktion einschränken. Einige treten geschlechtsunabhängig auf. Dazu zählt beispielsweise eine Überdehnung der Blasenmuskulatur nach einem akuten Harnverhalt.
Bei Operationen im Becken oder am Urogenitaltrakt kann die Harnröhre oder die Blasenmuskulator geschwächt oder geschädigt sein, was zu Störungen bei der Blasenentleerung führen kann.
Bei einigen weiteren mechanischen Ursachen für Restharn wirken sich anatomische Unterschiede stärker aus.
Häufige mechanische Ursachen bei Männern
Bei Männern ist die vergrösserte Prostata (Benigne Prostatahyperplasie) die häufigste mechanische Ursache. Die Prostata umschliesst die Harnröhre und kann den Abfluss von Harn zunehmend behindern. Auch eine Harnröhrenverengung (Harnröhrenstriktur) tritt bei Männern häufiger auf. Nach einer Prostata-Operation kann zudem vorübergehend Restharn auftreten – etwa durch postoperative Schwellungen oder eine kurzfristige Schwächung der Blasenmuskulatur. Seltener entstehen im weiteren Verlauf narbige Verengungen am Blasenausgang oder an der Harnröhre, die die Entleerung der Blase beeinträchtigen.
Häufige mechanische Ursachen bei Frauen
Bei Frauen sind eine Schwäche des Beckenbodens sowie Senkungen der Beckenorgane (Blase, Gebärmutter oder Scheide) häufige mechanische Ursachen. Diese Veränderungen entstehen oft nach mehreren Geburten oder im Verlauf der Wechseljahre und können die vollständige Blasenentleerung erschweren.
Restharn bei älteren Patientinnen und Patienten
Mit zunehmendem Alter treten Ursachen einer unvollständigen Blasenentleerung häufig in Kombination auf. Mechanische Veränderungen wie eine vergrösserte Prostata oder eine Beckenbodenschwäche überlagern sich oft mit neurogenen Aspekten – etwa einer diabetischen Nervenschädigung oder Folgen eines Schlaganfalls. Zusätzlich können bestimmte Medikamente, die im Alter häufiger eingenommen werden, die Blasenentleerung erschweren. Bei Patientinnen und Patienten mit Demenz kommt eine beeinträchtigte Wahrnehmung der Blasenfüllung hinzu. Sowohl die Abklärung der einzelnen Ursachen als auch die Wahl der passenden Behandlung verlangen daher besondere Sorgfalt.
Methoden zur Behandlung einer unvollständigen Blasenentleerung
Die Behandlung von Restharn richtet sich nach der Ursache und folgt einem stufenweisen Vorgehen – von konservativen Verfahren über medikamentöse Optionen bis hin zu operativen Eingriffen.
Konservative Therapien
Selbstständige Nutzung eines Katheters
Als konservative Therapiemethode hat sich das regelmässige Katheterisieren etabliert, der sogenannte Intermittierende Selbstkatheterismus (ISK). Oberstes Ziel dieser Behandlungsmethode ist neben der Blasenentleerung der Schutz der oberen Harnwege (Nieren). Mittels Katheter wird die Harnblase meist vier- bis sechsmal am Tag von den Patienten selbst entleert. Verwendet werden dabei sterile Einmalkatheter, die über die Harnröhre eingeführt werden. Nach der Anwendung wird der Katheter entsorgt.
Vorteil: Die Betroffenen können die Katheterisierung selbst durchführen und sind somit unabhängig und flexibel, was entscheidend zur Erhaltung oder Verbesserung der Lebensqualität beiträgt. Die ISK reduziert zudem die Gefahr von Infektionen und beugt der Überdehnung und Verdickung der Blasenwand vor. Da die Blase regelmässig über den Katheter vollständig entleert wird, kann sich der Blasenmuskel anschliessend wieder kräftig zusammenziehen.
Funktionelle Stimulationstherapie und Beckenbodentraining
Ein weiteres konservatives Verfahren ist die funktionelle Stimulationstherapie. Sie kann bei neurogenen Blasenfunktionsstörungen und geschwächter Blasenmuskulatur eingesetzt werden. Bei der Stimulationstherapie wird der Blasenmuskel über elektrische Impulse gereizt und so gezielt trainiert. Die trainierte Muskulatur kann einen höheren Druck aufbringen und somit die Entleerung der Harnblase verbessern.
In bestimmten Fällen kann zusätzlich ein gezieltes Beckenbodentraining sinnvoll sein. Ob es im individuellen Fall geeignet ist oder ob Kontraindikationen vorliegen, muss vorab immer eine Urologin oder ein Urologen beurteilen.
Medikamentöse Therapie
Reichen konservative Massnahmen nicht aus, kann zusätzlich eine medikamentöse Therapie sinnvoll sein. Welche Wirkstoffe in Frage kommen, richtet sich nach der Ursache des Restharns, möglichen Begleiterkrankungen und dem allgemeinen Gesundheitszustand.
Bei einer Abflussbehinderung durch eine vergrösserte Prostata haben sich Alpha-Blocker (zur Entspannung der Muskulatur am Blasenausgang) und 5-Alpha-Reduktase-Hemmer (zur Verkleinerung der Prostata) etabliert. Bei neurogenen Ursachen oder krampfartigen Verspannungen der Beckenboden- oder Schliessmuskulatur können krampflösende Medikamente die Blasenentleerung unterstützen. Welche Medikation im individuellen Fall geeignet ist, kann nur nach eingehender ärztlicher Abklärung entschieden werden.
Operative Therapie
Führen konservative oder medikamentöse Therapien nicht zum gewünschten Erfolg, kann eine Operation erwogen werden. Ein Abflusshindernis erfordert meist eine operative Therapie. Eine vergrösserte Prostata kann nach eingehender Untersuchung mittels Prostata-Operation behandelt werden. Auch die Beseitigung einer Harnröhrenstriktur, also einer Engstelle an der Harnröhre, wird operativ durchgeführt. Nach dem Eingriff ist die Harnröhre nicht mehr eingeschränkt und die Entleerung der Blase ist wieder leichter möglich.
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