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Selbstkatheterismus

Therapie bei unvollständiger Entleerung der Blase

Bei Funktionsstörungen des Harntraktes mit unvollständiger Entleerung der Blase und chronischer Restharnbildung kommt die Technik des Selbstkatheterismus zur Anwendung. Die betroffene Frau oder der betroffene Mann führt sich dabei einmal oder mehrmals täglich selbst einen Katheter durch die Harnröhre in die Blase ein und entleert sie damit vollständig.

Empfohlen für den Selbstkatheterismus zu Hause ist der aseptische Katheterismus, bei der die Harnröhrenöffnung mittels eines Desinfektionsmittels entkeimt und dann der sterile Katheter in die Harnröhre eingeführt wird. Hierbei gilt es, das Eindringen von Bakterien in den an sich keimfreien Harntrakt zu verhindern. Die steril verpackten Einmalkatheter für Mann und Frau unterscheiden sich wegen Form und Länge der Harnröhre.

Für das Erlernen und erfolgreiche Praktizieren des Selbstkatheterismus sind verschiedene Faktoren von grosser Bedeutung:

  • Eine einfühlsame und kompetente Schulung und Beratung durch speziell ausgebildete und mit der Technik erfahrene Pflegekräfte, gilt es doch die Technik selbst zu verinnerlichen, die beste Position und das am besten geeigneten Kathetermodell zu finden. 
  • Motivation durch Linderung von Beschwerden
  • Einsicht in die Notwendigkeit des Katheterismus zum Schutz vor Folgeschäden
  • Sorgfalt und Hygiene bei der Durchführung


Die individuelle Auswahl des Kathetermodells ist wichtig

Auf dem Markt werden viele verschiedene Produkte angeboten. Die Oberfläche ist zumeist mit einer Gleitschicht überzogen, so dass Irritationen der Harnröhrenschleimhaut weitgehend vermieden werden. Eine weiche und biegsame Katheterspitze verhindert Verletzungen und Folgeschäden in Harnröhre und Blase. Viele Hersteller bieten Komplettlösungen an, bei denen Katheter und Beutel in einer Packung vereint benutzt und auch entsorgt werden können. Für Frauen sind spezielle Katheter auf dem Markt, die deutlich kürzer und kompakter verpackt sind.

Zu Beginn kann es in der Lern- und Gewöhnungsphase gelegentlich zu einer Harnwegsinfektion kommen. Wird die Technik dann aber sicher beherrscht, übersteigt die Infekthäufigkeit selten eine Blasenentzündung pro Jahr.


Vorteile des Selbstkatheterismus

Der Selbstkatheterismus  besitzt gegenüber Dauerkathetern durch die Harnröhre oder durch die Bauchdecke deutliche Vorteile: 

  • Sehr viel seltener Harnwegsinfekte und Schäden des oberen und unteren Harntraktes 
  • Dauerkatheter können verstopfen oder abklemmen. 
  • Keine Einschränkung der Mobilität der Betroffenen 
  • Reduktion von Blasenspastizität bei Paraplegikern oder MS Patienten.
  • Höhere Schlafqualität
  • Keine Beeinträchtigung des Sexuallebens