Harninkontinenz nach Prostataoperation besser verstehen
Die Kontinenz hängt wesentlich davon ab, ob der urethrale Sphinkter einen ausreichenden Verschlussdruck aufrechterhalten kann. Mit zunehmendem Alter nimmt dieser maximale Urethralsphinkterdruck physiologisch ab; in der vorliegenden Untersuchung betrug der Rückgang im Mittel 13,14 cm H2O pro Lebensjahrzehnt.
Gerade vor einer Prostataoperation ist diese funktionelle Reserve von grosser Bedeutung. Ist der Schliessmuskel bereits präoperativ geschwächt, kann der zusätzliche Verlust durch die Operation die Kontinenz deutlich beeinträchtigen.
Handkraftmessung als Marker der Kontinenzreserve

Die Handkraft gilt seit Langem als etablierter Marker der globalen Muskel- und Nervenfunktion. In einer unter der Leitung von Prof. Dr. med. André Reitz am KontinenzZentrum AG, Klinik Hirslanden Zürich, durchgeführten Querschnittsstudie mit 209 konsekutiven Patienten zeigte sich bei nicht operierten Männern ein signifikanter positiver Zusammenhang zwischen Handkraft und maximalem Urethralsphinkterdruck – auch nach Adjustierung für das Alter.
Für die klinische Praxis ist das relevant, weil die Handkraft rasch, standardisiert und nicht invasiv messbar ist. Sie ersetzt keine urodynamische Diagnostik, kann aber als einfach verständlicher Hinweis auf eine reduzierte funktionelle Reserve des Schliessmuskels dienen.
Zahlen, die das Risiko greifbar machen
Die Studie umfasste 125 nicht operierte Männer im Alter von 20 bis 92 Jahren sowie 84 Männer nach Prostatektomie im Alter von 51 bis 93 Jahren. Neben dem altersabhängigen Rückgang des Sphinkterdrucks nahm auch die Handkraft ab – im Mittel um 4,60 kg pro Lebensjahrzehnt.
Besonders aussagekräftig ist der Vergleich mit dem Effekt der Operation: Eine Prostatektomie war mit einer mittleren Reduktion des maximalen Urethralsphinkterdrucks um 28,6 cm H2O assoziiert. Dieser Verlust entspricht ungefähr 20 bis 25 Jahren physiologischer Alterung des Schliessmuskels und macht die klinische Tragweite des Eingriffs auch für medizinische Laien verständlich.
Welche Patienten präoperativ besonders gefährdet sind
Bemerkenswert ist, dass bereits in der Kontrollgruppe 14 von 125 Männern, also rund 11,2 Prozent, einen für ihr Alter deutlich reduzierten Sphinkterdruck aufwiesen. Diese Männer hatten zugleich eine niedrigere mittlere Handkraft als die Gesamtgruppe der nicht Operierten, nämlich 32,5 kg gegenüber 38,1 kg.
Damit wird klar, dass eine verminderte Kontinenzreserve nicht nur ein Thema des hohen Alters ist. Funktionell vulnerable Patienten finden sich in verschiedenen Altersdekaden und können bereits vor einer Prostataoperation ein erhöhtes Risiko für postoperative Harninkontinenz tragen.
Warum die präoperative Abklärung entscheidend ist
Nach einer Prostatektomie verliert die Handkraft ihre direkte Vorhersagekraft für die tatsächliche Sphinkterfunktion. Die Untersuchung zeigt eine funktionelle Entkopplung: Der operative Einfluss auf den Schliessmuskel ist so ausgeprägt, dass die globale neuromuskuläre Reserve die postoperative Kontinenzsituation nicht mehr zuverlässig widerspiegelt.
Umso wichtiger ist die präoperative Einordnung. Eine Handkraftmessung kann als niederschwelliger Risikohinweis dienen und Anlass geben, die Kontinenzreserve mit spezialisierter Diagnostik genauer zu beurteilen, die Aufklärung zu präzisieren und die weitere Therapieplanung differenzierter auszurichten.
Spezialisierte Kontinenzmedizin mit wissenschaftlicher Tiefe
Die Handkraftmessung ergänzt die differenzierte urologische und urodynamische Abklärung sinnvoll. Das KontinenzZentrum Hirslanden verbindet dabei wissenschaftliche Evidenz, langjährige klinische Erfahrung und präzise Funktionsdiagnostik zu einer spezialisierten Beurteilung komplexer Kontinenzstörungen.
Kontaktieren Sie uns für ein Beratungsgespräch
Kontaktieren Sie das KontinenzZentrum Hirslanden für ein fachärztliches Beratungsgespräch bei Harninkontinenz nach Prostataoperation. Prof. Dr. med. André Reitz informiert über individuelle Möglichkeiten der Abklärung und Behandlung, wenn nach einer Prostataoperation eine Inkontinenz besteht oder das persönliche Kontinenzrisiko vor einem Eingriff genauer eingeschätzt werden soll.
Das KontinenzZentrum Hirslanden in Zürich ist telefonisch unter +41 44 387 29 10, per E-Mail unter kontinenzzentrum.hirslanden@hirslanden.ch sowie über die Online-Terminvereinbarung erreichbar.
Eine frühzeitige Kontaktaufnahme kann dazu beitragen, Beschwerden strukturiert abzuklären, das individuelle Risiko realistisch einzuordnen und die weiteren diagnostischen oder therapeutischen Schritte gezielt zu planen.
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