Nach einer Prostatakrebsoperation stehen für viele Männer nicht nur Tumorkontrolle und Sicherheit im Vordergrund, sondern auch eine sehr persönliche Frage: «Werde ich wieder kontinent – und kann Sexualität wieder möglich werden?» Eine neue wissenschaftliche Studie mit dem verständlichen Titel «Schwellkörper-Rehabilitation nach roboterassistierter Prostataentfernung: Fakt oder Wunschdenken?» zeigt: Die Wiederherstellung der Erektionsfähigkeit sollte früh, strukturiert und genauso ernst genommen werden wie die Behandlung einer Harninkontinenz.¹

Warum dieses Thema Männer bewegt

Erektionsstörungen und Harninkontinenz gehören zu den häufigsten funktionellen Folgen nach radikaler Prostatektomie.² ³ Auch wenn moderne roboterassistierte Operationsverfahren die Präzision verbessert haben, bleiben Nerven, Schwellkörper, Beckenboden und Schliessmuskel nach dem Eingriff empfindlich und brauchen Zeit zur Erholung.¹

Für betroffene Männer bedeutet das oft mehr als ein medizinisches Symptom: Es geht um Selbstvertrauen, Partnerschaft, Nähe, Alltagssicherheit und Lebensqualität. Gerade deshalb ist es wichtig, früh offen über Kontinenz, Erektion und Rehabilitation zu sprechen – ohne Tabu, ohne falsche Scham und mit realistischen therapeutischen Perspektiven.⁴

Was ist neu?

Eine neue in der Fachzeitschirft «Uro‑Oncology and Urology» veröffentliche Studie stellt die sogenannte Schwellkörper-Rehabilitation nach roboterassistierter Prostataentfernung in den Mittelpunkt.¹ Gemeint ist ein gezieltes Behandlungskonzept, das die Durchblutung und Sauerstoffversorgung des Schwellkörpergewebes unterstützen, narbige Umbauprozesse reduzieren und die Chance auf eine funktionelle Erholung verbessern soll.¹

Neu ist vor allem die klare Botschaft: Erektionsfähigkeit nach Prostatakrebsoperation ist kein «Nebenthema», sondern ein wichtiger Bestandteil der Nachsorge.¹ Internationale Empfehlungen betonen ebenfalls, dass Männer bereits vor der Operation über mögliche Erektionsstörungen informiert werden sollten und dass die Erholung mit validierten Fragebögen wie dem International Index of Erectile Function oder EPIC strukturiert erfasst werden kann.⁴

Früh behandeln, besser erholen

Nach einer radikalen Prostatektomie können vorübergehende Nervenirritationen, verminderte nächtliche Erektionen und eine reduzierte Sauerstoffversorgung des Schwellkörpers auftreten.¹ ⁵ Bleibt diese Situation länger bestehen, kann es zu Gewebeveränderungen kommen, die eine spätere Erholung erschweren.⁵

Deshalb setzen moderne Rehabilitationskonzepte auf einen frühen, individuellen Beginn.¹ ⁶ Je nach Ausgangssituation können PDE‑5‑Hemmer, Vakuum-Erektionshilfen oder Injektionstherapien eingesetzt werden; in neueren Programmen zeigten Kombinationstherapien besonders hohe Erholungsraten der Erektionsfunktion nach zwei Jahren.⁶

Kontinenz und Sexualität gehören zusammen

Viele Männer erleben nach der Operation gleichzeitig zwei belastende Veränderungen: ungewollten Urinverlust und Erektionsprobleme.² ³ Beides betrifft dieselbe Körperregion, dieselbe Lebensqualität und oft auch dieselbe emotionale Belastung.

Die aktuelle Leitlinienentwicklung zur Inkontinenz nach Prostatabehandlung empfiehlt Beckenboden- und Schliessmuskeltraining vor und nach der Operation, insbesondere direkt nach dem Eingriff.³ Wenn sich die Inkontinenz trotz konservativer Therapie nicht ausreichend bessert, können spezialisierte operative Verfahren wie männliche Schlingen oder ein künstlicher Schliessmuskel diskutiert werden.³

Was Patienten nach Prostata OP erwarten dürfen

Patienten dürfen heute erwarten, dass ihre Nachsorge nach Prostatakrebs nicht bei einem guten PSA-Wert endet. Prostatakrebs, ProstatakarzinomModerne Urologie bedeutet auch: Kontinenz erhalten, Erektionsfähigkeit fördern, Beschwerden ernst nehmen und Therapieoptionen verständlich erklären.¹ ³ ⁴

Wichtig ist eine realistische Einschätzung: Alter, Erektionsfunktion vor der Operation, Begleiterkrankungen und die Möglichkeit einer nervenschonenden Operation beeinflussen die Erholung wesentlich.⁴ Trotzdem zeigt die aktuelle Evidenz, dass strukturierte Programme die Chancen auf funktionelle Verbesserung erhöhen können – besonders, wenn sie früh beginnen und konsequent begleitet werden.⁶

Wann Hilfe sinnvoll ist

Männer sollten Hilfe suchen, wenn nach Prostatakrebsoperation Urinverlust, Erektionsstörungen, Unsicherheit beim Geschlechtsverkehr oder ein Rückzug aus Partnerschaft und Alltag auftreten. Eine frühe Abklärung ist sinnvoll, weil sich Kontinenz- und Sexualfunktion in vielen Fällen gezielt fördern lassen.¹ ³

Auch wenn Beschwerden schon länger bestehen, lohnt sich eine spezialisierte Beurteilung. Viele Männer erfahren erst spät, dass neben Medikamenten auch Beckenbodenrehabilitation, Vakuumtherapie, Injektionstherapie, Neuromodulation oder operative Kontinenzverfahren möglich sind.³ ⁶

Kompetenz: Reha nach Prostataa OP in Zürich

Das Kontinenzzentrum Hirslanden in Zürich bietet Betroffenen eine spezialisierte, interdisziplinäre Abklärung und Behandlung von Harninkontinenz, Blasenfunktionsstörungen, Erektionsstörungen und funktionellen Beschwerden nach Prostatakrebsoperation im Rahmen eines speziellen Rehabilitationsprogrammes nach Prostata OP. Die Empfehlungen orientieren sich an wissenschaftlicher Evidenz, internationalen Leitlinien und der individuellen Lebenssituation des Patienten.

Gerade nach radikaler Prostatektomie ist diese ganzheitliche Sicht entscheidend: Kontinenz, Sexualität, psychische Belastung und Lebensqualität werden gemeinsam betrachtet. So entsteht ein Therapieplan, der medizinisch fundiert, menschlich verständlich und auf das Ziel ausgerichtet ist, Männern nach Prostatakrebs wieder Sicherheit, Kontrolle und Lebensqualität zurückzugeben.

Kontaktieren Sie Prof. Dr. med. Reitz und sein Team für ein Beratungsgespräch. Wir informieren Sie gerne über Ihre individuellen Abklärungsmöglichkeiten und zur Reha nach Prostatektomie und Bestrahlung.

Sie erreichen das KontinenzZentrum Hirslanden in Zürich von Montag bis Freitag zwischen 8 und 17 Uhr. Vereinbaren Sie gerne einen Termin per Telefon oder über unsere Online Terminvereinbarung.

 

 

Quellen

  1. Zhang, Achermann et al. Penile rehabilitation in men after radical robotic prostatectomy: Fact or fiction?Uro‑Oncology and Urology. DOI: 10.1002/uro2.70047. Online verfügbar bei Wiley: Artikel öffnen.
  2. American Urological Association / ASTRO / SUO. Clinically Localized Prostate Cancer: AUA/ASTRO/SUO GuidelineThe Journal of Urology. Hinweis auf häufige erektile Dysfunktion nach Prostatektomie. Online verfügbar bei ScienceDirect: Artikel öffnen.
  3. American Urological Association. Updates to Incontinence After Prostate TreatmentThe Journal of Urology, 2024 Guideline Amendment. Online verfügbar bei AUA Journals: Artikel öffnen.
  4. Salonia A, Adaikan G, Buvat J, et al. Sexual Rehabilitation After Treatment for Prostate Cancer—Part 1: Recommendations From the Fourth International Consultation for Sexual Medicine (ICSM 2015)The Journal of Sexual Medicine, 2017. Online verfügbar bei PubMed: Artikel öffnen.
  5. Moncada I. Penile rehabilitation following radical prostatectomy: role of early intervention and chronic therapyCurrent Opinion in Urology, 2007. Online verfügbar bei PubMed: Artikel öffnen.
  6. Sexual function recovery following open and robotic radical prostatectomy: results of an academic penile rehabilitation program. PubMed, 2025. Online verfügbar bei PubMed: Artikel öffnen.