Was über 3000 Frauen der Wissenschaft verraten haben – und was Ihnen jetzt wirklich hilft

Brennen beim Wasserlösen, ständiger Harndrang – und kaum ist eine Blasenentzündung abgeklungen, folgt die nächste? Die Ursache liegt oft nicht in der Blase allein: Eine gesunde Scheidenflora ist einer der wichtigsten natürlichen Schutzschilde Ihrer Blase. Lesen Sie, warum dieser Schutz besonders in den Wechseljahren nachlassen kann, welche Vorbeugung wissenschaftlich überzeugt und wie eine spezialisierte Abklärung den Kreislauf durchbricht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei den meisten gesunden Frauen dominieren in der Scheide Milchsäurebakterien, sogenannte Laktobazillen. Sie halten das Milieu sauer und Krankheitserreger fern.
  • Das Isala-Projekt mit über 3000 Frauen zeigt: Alter, Hormone, Geburten, Zyklus und Lebensstil prägen diese Schutzflora.
  • Nehmen die Laktobazillen ab – typischerweise in den Wechseljahren –, steigt das Risiko für wiederkehrende Blasenentzündungen.
  • Es gibt wirksame, leitlinienbasierte Wege zur Vorbeugung, viele davon ohne Antibiotika.
  • Wiederkehrende Blasenentzündungen sind kein Schicksal. Eine gezielte Abklärung findet die Ursache.

 

Wenn die Blasenentzündung zum ständigen Begleiter wird

Von wiederkehrenden Harnwegsinfekten sprechen Fachleute bei mindestens zwei Infekten innerhalb von sechs Monaten oder drei innerhalb eines Jahres1. Für betroffene Frauen bedeutet das oft: Planen nach der Toilette, Angst vor der nächsten Reise, Verunsicherung in der Partnerschaft – und immer neue Antibiotikakuren.

Erstaunlich ist, wie wenig sich in der Behandlung von Scheiden- und Blaseninfektionen über rund 40 Jahre verändert hat. Diagnostik und Therapie zielten fast ausschliesslich auf den einzelnen Erreger, während das schützende Ökosystem rundherum ausser Acht blieb. Gleichzeitig nehmen Rückfälle und Antibiotikaresistenzen zu2. Genau hier setzt eine neue Forschungsrichtung an, die am diesjährigen Kongress der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG) in St. Gallen vorgestellt wurde2.

 

Warum die Scheidenflora Ihre Blase schützt

Scheide, Harnröhre und Blase liegen eng beieinander. Die meisten Blasenentzündungen entstehen, wenn Darmbakterien über den Scheidenvorhof in die Harnröhre aufsteigen. Eine intakte, laktobazillenreiche Scheidenflora wirkt dabei wie ein Türsteher, der unerwünschte Gäste gar nicht erst hereinlässt. Studien bestätigen: Nimmt der Anteil vaginaler Laktobazillen ab, finden sich vermehrt typische Erreger von Harnwegsinfekten – und das Risiko für wiederkehrende und chronische Blasenentzündungen steigt6.

Was sich in den Wechseljahren verändert

Mit dem sinkenden Östrogenspiegel wird die Schleimhaut dünner und speichert weniger Glykogen, die wichtigste Nahrungsquelle der Laktobazillen. Das Milieu wird weniger sauer, Krankheitserreger haben leichteres Spiel. Eine systematische Übersichtsarbeit mit 23 Studien und über 5000 Teilnehmerinnen zeigt, dass Frauen nach der Menopause durchgehend weniger schützende Laktobazillen aufweisen – in Scheide, Blase und Darm7.

 

Was nachweislich hilft

Die gute Nachricht: Es gibt wirksame Strategien – und die überzeugendsten setzen genau am Mikrobiom an, statt nur Erreger zu bekämpfen.

Lokale Hormonbehandlung: gut belegt in und nach den Wechseljahren

Eine niedrig dosierte, lokal in der Scheide angewendete Hormonbehandlung stärkt die Schleimhaut, senkt den pH-Wert und fördert die Rückkehr der Laktobazillen. Eine Metaanalyse randomisierter Studien zeigt eine Senkung wiederkehrender Harnwegsinfekte um rund 58 Prozent; Hormone in Tablettenform hatten diesen Effekt nicht8. Die Europäische Gesellschaft für Urologie gibt dafür eine starke Empfehlung, die amerikanischen Fachgesellschaften empfehlen sie ebenfalls1,9. Da die Behandlung lokal wirkt, gelangt nur eine sehr geringe Menge in den Blutkreislauf10.

Milchsäurebakterien: vielversprechend, aber nicht jedes Präparat wirkt

In einer kontrollierten Studie erlitten nach einer Blasenentzündung 15 Prozent der Frauen mit einem vaginal angewendeten Lactobacillus-crispatus-Präparat einen erneuten Infekt, gegenüber 27 Prozent unter Placebo. Frauen, bei denen sich die Bakterien dauerhaft ansiedelten, profitierten besonders deutlich11. Entscheidend sind jedoch der richtige Bakterienstamm und die lokale Anwendung: Vaginal angewendete Präparate zeigten in Studien Wirkung, Präparate zum Einnehmen bisher kaum9. Dosis und Dauer sind noch nicht abschliessend geklärt1. Eine fachliche Beratung erspart Ihnen deshalb Umwege und Enttäuschungen.

Die nächste Generation: lebende Bakterientherapien

Forschungsgruppen entwickeln gezielt ausgewählte, geprüfte Bakterienstämme als «lebende Therapeutika» sowie kombinierte Ansätze, die das gesamte Ökosystem stärken, statt nur einen einzelnen Erreger zu bekämpfen2,12.

 

Kleine Gewohnheiten, grosse Wirkung

  • ausreichend trinken und den Harndrang nicht lange unterdrücken
  • nach dem Geschlechtsverkehr Wasser lösen
  • auf Intimspülungen und parfümierte Seifen verzichten – sie stören die natürliche Flora
  • Menstruationsprodukte bewusst wählen: Die Isala-Daten deuten darauf hin, dass sie die Flora beeinflussen können3

 

Heimtests: neugierig ja, Diagnose nein

Die Forschung ist noch nicht so weit, dass sich aus der Bakterienzusammensetzung allein verlässliche Therapieentscheide ableiten lassen12. Ein Heimtest ersetzt deshalb keine ärztliche Abklärung.

Wann Sie sich spezialisiert abklären lassen sollten

Spätestens bei zwei Blasenentzündungen in sechs Monaten oder drei in einem Jahr lohnt sich eine gründliche Abklärung1. Häufig stecken behandelbare Ursachen dahinter: eine veränderte Scheidenflora, eine trockene Schleimhaut in den Wechseljahren, eine unvollständige Blasenentleerung, eine Beckenbodenschwäche oder eine Senkung.

Bitte suchen Sie rasch ärztliche Hilfe bei Fieber, Flankenschmerzen, Blut im Urin oder Beschwerden in der Schwangerschaft.

 

Warum Frauen zu uns ins KontinenzZentrum Hirslanden kommen

Wiederkehrende Blasenentzündungen sind keine Bagatelle – und kein Schicksal, mit dem Sie sich abfinden müssen. Seit 2010 begleiten wir Frauen mit wiederkehrenden Harnwegsinfekten, Reizblase, Inkontinenz und Beckenbodenbeschwerden. Unter der Leitung von Prof. Dr. med. André Reitz verbinden wir mehr als 25 Jahre klinische und wissenschaftliche Erfahrung mit den neuesten Erkenntnissen der Forschung.

  • Ursachen statt Symptome: Wir klären gezielt ab, warum die Infekte immer wiederkommen – mit Urinkultur, Ultraschall und Restharnmessung sowie, falls nötig, weiterführender Diagnostik.
  • Das ganze System im Blick: Blase, Scheidenflora, Schleimhaut und Beckenboden betrachten wir als Ganzes und behandeln interdisziplinär – mit gebündelter Expertise statt Einzelsicht.
  • Ein Plan, der zu Ihnen passt: Wir entwickeln mit Ihnen eine leitlinienbasierte Vorbeugung, die Antibiotika so sparsam wie möglich einsetzt.
  • Erfahrung, die zählt: Mehr als 15'000 urodynamische Untersuchungen zeigen, wie vertraut uns auch komplexe Blasenprobleme sind.
  • Diskret und einfühlsam: Intime Beschwerden verdienen einen geschützten Rahmen und Zeit für Ihre Fragen.

 

Gönnen Sie sich wieder unbeschwerte Tage. Vereinbaren Sie jetzt Ihren Termin – wir nehmen uns Zeit für Sie.

Sie erreichen unser Zentrum (KontinenzZentrum Hirslanden) in Zürich telefonisch von Montag bis Freitag zwischen 8 und 17 Uhr +41 44 387 29 10.  Nutzen Sie auch unsere Online-Terminvereinbarung!

 

Häufige Fragen

Was ist das vaginale Mikrobiom?

Das vaginale Mikrobiom ist die Gesamtheit der Bakterien und anderen Mikroorganismen in der Scheide. Bei den meisten gesunden Frauen dominieren Milchsäurebakterien, die das Milieu sauer halten und vor Krankheitserregern schützen3.

Kann eine gestörte Scheidenflora Blasenentzündungen begünstigen?

Ja. Weniger schützende Laktobazillen sind mit einem höheren Risiko für wiederkehrende Blasenentzündungen verbunden, weil sich Erreger leichter ansiedeln und in die Harnröhre aufsteigen können6.

Warum treten Blasenentzündungen in den Wechseljahren häufiger auf?

Mit dem sinkenden Östrogenspiegel wird die Schleimhaut dünner und die schützenden Laktobazillen nehmen ab7. Eine lokale, niedrig dosierte Hormonbehandlung kann wiederkehrende Infekte nachweislich deutlich reduzieren1,8.

Helfen Probiotika gegen wiederkehrende Blasenentzündungen?

Bestimmte vaginal angewendete Laktobazillen-Stämme zeigen in Studien eine Schutzwirkung11. Die Wirkung hängt jedoch stark vom Stamm und von der Anwendung ab; für eine generelle Empfehlung reicht die Datenlage noch nicht1,9.

Wann sollte ich mich spezialisiert abklären lassen?

Bei zwei oder mehr Blasenentzündungen innerhalb von sechs Monaten oder drei innerhalb eines Jahres1 – sofort bei Fieber, Flankenschmerzen oder Blut im Urin.

Wer behandelt wiederkehrende Blasenentzündungen bei Frauen?

Spezialisierte Zentren für Urologie und Urogynäkologie wie das KontinenzZentrum Hirslanden klären die Ursachen umfassend ab und erarbeiten einen individuellen, leitlinienbasierten Vorbeugeplan.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.

 

 

Literatur

  1. European Association of Urology. EAU Guidelines on Urological Infections. Arnhem: EAU Guidelines Office; 2025. mehr dazu
  2. Schlatter C. Neues zum vaginalen Mikrobiom: Was 3000 Frauen dem Isala-Projekt über vaginale Gesundheit beigebracht haben. Medical Tribune Gynäkologie · Urologie. 2026;17(3). mehr dazu
  3. Lebeer S, Ahannach S, Gehrmann T, Wittouck S, Eilers T, Oerlemans E, et al. A citizen-science-enabled catalogue of the vaginal microbiome and associated factors. Nat Microbiol. 2023;8(11):2183-95. mehr dazu
  4. Pinedo-Bardales M, Erreygers I, Allonsius CN, Hiel M, Eilers T, Van Rillaer T, et al. Species and strain sharing in the vaginal microbiome of mothers and their adult daughters. Cell Rep. 2026;45(9):117942. mehr dazu
  5. Condori-Catachura S, Ahannach S, Ticlla M, Kenfack J, Livo E, Anukam KC, et al. Diversity in women and their vaginal microbiota. Trends Microbiol. 2025;33(11):1163-72. mehr dazu
  6. Dalby KL, Horsley H, Spratt D, Khasriya R. The vaginal microbiome and recurrent and chronic urinary tract infection. Int Urogynecol J. 2026;37:1869-79. mehr dazu
  7. Tsuboi I, Inoue S, Hirayama T, Mitsui Y, Watanabe M, Hirakawa H, et al. Gut, vaginal, and urinary microbiome alterations in women with genitourinary syndrome of menopause: a systematic review. Maturitas. 2026;211:109031. mehr dazu
  8. Chen YY, Su TH, Lau HH. Estrogen for the prevention of recurrent urinary tract infections in postmenopausal women: a meta-analysis of randomized controlled trials. Int Urogynecol J. 2021;32(1):17-25. mehr dazu
  9. American Urological Association, Canadian Urological Association, Society of Urodynamics, Female Pelvic Medicine & Urogenital Reconstruction. Recurrent uncomplicated urinary tract infections in women: AUA/CUA/SUFU guideline (Amendment 2025). mehr dazu
  10. National Institute for Health and Care Excellence. Urinary tract infection (recurrent): antimicrobial prescribing. NICE guideline NG112. London: NICE; 2018, aktualisiert 2024. mehr dazu
  11. Stapleton AE, Au-Yeung M, Hooton TM, Fredricks DN, Roberts PL, Czaja CA, et al. Randomized, placebo-controlled phase 2 trial of a Lactobacillus crispatus probiotic given intravaginally for prevention of recurrent urinary tract infection. Clin Infect Dis. 2011;52(10):1212-7. mehr dazu
  12. Dillen J, Dricot CEMK, Croatti V, Lebeer S. The female urogenital microbiome: ecological insights, therapeutic strategies, and molecular mechanisms. Cell Host Microbe. 2026;34(4):567-87. mehr dazu