Harnwegsinfektionen (HWI) sind sehr häufig – viele Patientinnen und Patienten sind im Laufe ihres Lebens mehrfach betroffen. Sie verursachen Brennen beim Wasserlassen, ständigen Harndrang und können die Lebensqualität deutlich einschränken. Umso wichtiger ist es, dass die Behandlung von Anfang an möglichst zielgerichtet und wirksam erfolgt.

Warum eine präzise Antibiotikawahl so wichtig ist

Bei akuten Beschwerden muss häufig sofort mit einer Therapie begonnen werden, bevor das Ergebnis der Urinkultur vorliegt.

Dann sprechen Ärztinnen und Ärzte von einer empirischen Antibiotikatherapie: Die Behandlung startet auf Basis von Erfahrung, lokalen Erregerdaten und bekannten Resistenzmustern.

Gerade für Patientinnen und Patienten mit:

  • wiederkehrenden Harnwegsinfekten
  • Blasenentleerungsstörungen oder Inkontinenz
  • neurologischen Erkrankungen
  • anderen relevanten Vorerkrankungen

ist es entscheidend, dass das zuerst gewählte Antibiotikum mit hoher Wahrscheinlichkeit tatsächlich gegen den auslösenden Keim wirkt. Eine unpassende Ersttherapie kann Beschwerden verlängern, zusätzliche Antibiotikagaben nötig machen und das Risiko für Komplikationen erhöhen.

Was bedeutet „gewichtete Wirksamkeit“ – und was bringt Ihnen das?

Klassische Resistenzstatistiken sagen meist nur: Wie viele Bakterienstämme sind insgesamt empfindlich oder resistent gegenüber einem Antibiotikum?
Diese Zahlen sind hilfreich, bilden aber die reale Situation in einer spezialisierten Sprechstunde nicht immer genau ab – zum Beispiel, wenn bestimmte Keime bei einem Zentrum besonders häufig sind.

Im KontinenzZentrum Hirslanden nutzen wir deshalb das Konzept der gewichteten Wirksamkeit:

  • Wir erfassen, welche Bakterien bei unseren Patientinnen und Patienten tatsächlich wie häufig vorkommen.
  • Wir prüfen, wie empfindlich jeder dieser Keime gegenüber verschiedenen, oral einnehmbaren Antibiotika ist.
  • Aus diesen Daten berechnen wir die Wahrscheinlichkeit, dass ein konkretes Antibiotikum bei einer Person mit unklarer Harnwegsinfektion wirksam ist – noch bevor das Laborergebnis da ist.

So erhalten wir eine praxisnahe Antwort auf die Frage:
Wie gross ist die Chance, dass dieses Antibiotikum bei einer typischen Patientin oder einem typischen Patienten in unserer Sprechstunde wirklich hilft?

Für Sie bedeutet das:

  • höhere Trefferquote bei der ersten Therapie
  • häufig raschere Linderung der Beschwerden
  • weniger unnötige Antibiotikakombinationen oder Wechsel

Eigene Daten statt nur allgemeiner Tabellen

Im KontinenzZentrum Hirslanden wurden die Harnkulturen vieler Patientinnen und Patienten systematisch ausgewertet. Dabei wurde getrennt nach Frauen und Männern analysiert, welche Keime auftreten und wie sensibel sie gegenüber verschiedenen, oral einnehmbaren Antibiotika sind.

Die Auswertung zeigt unter anderem:

  • Es besteht ein breites Erregerspektrum, bei Männern teilweise mit mehr verschiedenen Keimen als bei Frauen.
  • Es findet sich ein relevanter Anteil sogenannter Nitrit-negativer Erreger, die im üblichen Urinteststreifen nicht immer eindeutig zu erkennen sind.
  • Einzelne Keime – beispielsweise Pseudomonas aeruginosa – spielen insbesondere bei bestimmten Patientengruppen (z. B. Männern mit komplexen Vorbelastungen) eine wichtige Rolle.

Durch die Kombination aus Erregerhäufigkeit und Sensibilitätsdaten lässt sich zum Beispiel zeigen, bei welchem Antibiotikum die gewichtete Wirksamkeit besonders hoch ist. Dadurch verstehen wir, warum bestimmte Substanzen in unserem Patientenkollektiv überlegen sind und in welchen Situationen sie sinnvoll eingesetzt werden können.

Ihr Vorteil als Patientin oder Patient im KontinenzZentrum Hirslanden

Die Behandlung in einem spezialisierten Zentrum bietet Ihnen mehrere konkrete Vorteile:

  • Individuelle Risikoeinschätzung: Neben Ihren Beschwerden berücksichtigen wir Vorerkrankungen, bekannte Blasenfunktionsstörungen, frühere Befunde und Vorbehandlungen.
  • Datenbasierte Empirik: Die erste Antibiotikatherapie stützt sich auf reale, aktuell ausgewertete Erreger- und Resistenzdaten aus unserer eigenen Patientenschaft – nicht nur auf allgemeine Statistiken.
  • Schnelle Anpassung: Liegt das Ergebnis der Urinkultur und des Antibiogramms vor, wird die Therapie gezielt überprüft und bei Bedarf angepasst.
  • Schonender Antibiotikaeinsatz: Durch die gezielte Auswahl können unnötige Therapien vermieden und die Entwicklung von Resistenzen reduziert werden.

Gerade bei wiederkehrenden Harnwegsinfektionen oder in Kombination mit Inkontinenz und Blasenentleerungsstörungen profitieren Patientinnen und Patienten von diesem strukturierten, wissenschaftlich fundierten Vorgehen.

Kompetenz und Erfahrung: Prof. Dr. med. André Reitz und das KontinenzZentrum Hirslanden

Das KontinenzZentrum Hirslanden in Zürich ist auf Erkrankungen und Funktionsstörungen der Harnblase spezialisiert. Hier werden Patientinnen und Patienten mit Harninkontinenz, Blasenentleerungsstörungen, komplexen Harnwegsinfektionen und neurourologischen Erkrankungen umfassend abgeklärt und behandelt.

Prof. Dr. med. André Reitz ist Facharzt für Urologie mit Schwerpunkt Neurourologie und leitet das KontinenzZentrum seit vielen Jahren. In seiner Arbeit verbindet er:

  • langjährige operative und konservative Erfahrung in der Urologie
  • besondere Expertise in der funktionellen Urologie und Neuro-Urologie
  • wissenschaftliche Arbeit zu Diagnostik, Blasenfunktionsstörungen und Therapieoptimierung

Die Analyse der gewichteten Wirksamkeit der Antibiotika basiert auf seinem eigenen Patientengut und zeigt, wie eng im KontinenzZentrum klinische Erfahrung und moderne Statistik miteinander verknüpft werden. Ziel ist stets, für jede Patientin und jeden Patienten eine sichere, wirksame und zugleich verantwortungsvolle Behandlung zu finden.

Wann sollten Sie sich an uns wenden?

Sie sollten ärztliche Hilfe suchen, wenn Sie:

  • häufig wiederkehrende Harnwegsinfektionen haben
  • zusätzlich unter Inkontinenz oder Schwierigkeiten beim Wasserlassen leiden
  • den Eindruck haben, dass Antibiotikatherapien immer weniger gut wirken
  • unsichere oder wechselnde Befunde im Urin haben
  • verunsichert sind, welche Behandlung für Sie langfristig sinnvoll und schonend ist

Im KontinenzZentrum Hirslanden nehmen wir uns Zeit für eine sorgfältige Anamnese, gezielte Diagnostik und eine individuell abgestimmte Therapieplanung. Wenn Sie Fragen zu Harnwegsinfektionen, Blasenbeschwerden oder zur Optimierung Ihrer Behandlung haben, können Sie sich jederzeit dezent und unkompliziert an unser Team wenden – gemeinsam finden wir den passenden Weg für Ihre Situation.

Vereinbaren Sie vertraulich und diskret einen Termin:

Das KontinenzZentrum Hirslanden Team freut sich darauf, Ihnen weiterzuhelfen Ihre Lebensqualität zurückzuerlangen.

Quelle:
Reitz et. al. 37. Jahrestagung des Forum Urodynamicum in Halle (Saale) 2026

https://www.forum-urodynamicum.de/asset/pdf/Programm-FU-2026-web.pdf